Silica von Bohemia Interactive kombiniert zwei Genres, die auf den
ersten Blick kaum unterschiedlicher sein könnten: Echtzeitstrategie und First-Person-Shooter. Auf dem
Planeten Baltarus kämpfen bis zu drei Fraktionen um die Vorherrschaft, während die Spielerinnen und
Spieler selbst entscheiden können, ob sie das Geschehen aus der Vogelperspektive als Kommandant
lenken oder sich direkt an die Front begeben.
Das Spiel wurde ursprünglich von Entwickler Martin „Dram“ Melichárek ins Leben gerufen und
orientiert sich an Genreklassikern wie der Command-&-Conquer-Reihe sowie dem legendären Dune II
von 1992. Inzwischen wird das Projekt nicht mehr von einem einzelnen Entwickler getragen, sondern
von einem gewachsenen Team weiterentwickelt, das die ambitionierte Vision Schritt für Schritt umsetzt.
Das Besondere an Silica ist die nahtlose Verbindung seiner beiden Kernelemente. Wer möchte, kann
den gesamten Konflikt aus strategischer Sicht koordinieren, Basen verwalten, Einheiten befehligen und
das Schlachtfeld kontrollieren. Ebenso ist es möglich, direkt in die Rolle eines Soldaten zu schlüpfen und
die Kämpfe aus der Ego-Perspektive zu erleben. Besonders interessant ist dabei, dass der Wechsel
zwischen beiden Spielweisen jederzeit möglich ist. Wird die strategische Planung zu trocken, stürzt man
sich einfach selbst ins Gefecht, während die KI vorübergehend die Kontrolle über die eigenen Truppen
übernimmt.
Eine wilde Mischung
Diese Verbindung zweier grundverschiedener Genres stellt für jedes Entwicklerteam eine große
Herausforderung dar. Umso bemerkenswerter ist der enge Austausch zwischen den Entwicklern und
der Community. Das Team arbeitet kontinuierlich an Verbesserungen, reagiert auf Feedback und
erweitert das Spiel stetig um neue Funktionen. Geplant sind unter anderem umfangreiche
Möglichkeiten zur Erstellung eigener Szenarien, die den Spielern erlauben sollen, individuelle
Schlachten und Spielmodi zu entwerfen.
Die Entwicklung verlief in den vergangenen Jahren vergleichsweise langsam, was vor allem daran lag,
dass das Projekt lange Zeit nahezu allein betreut wurde. Mit der Vergrößerung des Teams auf
mittlerweile rund 15 Mitarbeitende hat sich das Entwicklungstempo jedoch deutlich erhöht.
Entsprechend erscheinen Updates inzwischen regelmäßiger und bringen sowohl neue Inhalte als auch
technische Verbesserungen mit sich.
Aktuell befindet sich Silica weiterhin im Early Access, was sich an einigen Stellen bemerkbar macht. Ein
vollständiges Tutorial für Steuerung und Spielmechaniken fehlt bislang noch, wodurch besonders der
Strategiepart für Neueinsteiger zunächst etwas überwältigend wirken kann. Wer jedoch bereits
Erfahrungen mit RTS- oder Shooter-Spielen gesammelt hat, findet sich vergleichsweise schnell zurecht.
Der FPS-Anteil erklärt sich weitgehend von selbst, während die strategischen Elemente nach und nach
erschlossen werden können.
Auch technisch gibt es noch Baustellen. Gelegentliche Ruckler, feststeckende Einheiten oder kleinere
Spawn-Probleme treten derzeit noch auf. Solche Schwierigkeiten sind bei einem Early-Access-Titel
jedoch nicht ungewöhnlich und gehören letztlich zum Entwicklungsprozess dazu. Entscheidend ist, dass
die Entwickler die bekannten Probleme aktiv angehen und kontinuierlich Verbesserungen
veröffentlichen.
Gerade deshalb ist das Potenzial von Silica bereits jetzt deutlich erkennbar. Die Mischung aus Strategie
und Shooter sorgt für eine bemerkenswerte Abwechslung und schafft Spielerlebnisse, die man in dieser
Form nur selten findet. Besonders im Koop mit Freunden entfaltet das Konzept seinen Reiz: Während
ein Spieler die strategische Kontrolle übernimmt, können andere direkt an der Front kämpfen. Dadurch
eignet sich Silica hervorragend für Gruppen, die normalerweise unterschiedliche Spielgenres
bevorzugen.
Fazit
Sollte es dem Entwicklerteam gelingen, die vorhandenen Schwächen auszubessern und die geplanten
Features erfolgreich umzusetzen, könnte Silica zu einem der interessantesten Genre-Hybriden der
letzten Jahre werden. Die Grundidee funktioniert bereits jetzt erstaunlich gut und hebt sich deutlich von
der Masse aktueller Multiplayer-Titel ab.
Fans von Echtzeitstrategie, Shootern oder ungewöhnlichen Spielkonzepten sollten das Spiel daher
definitiv im Auge behalten. Schon heute zeigt Silica vielversprechende Ansätze und besitzt das
Potenzial, sich zu einem echten Geheimtipp zu entwickeln. Nun liegt es an den Entwicklern, diese
Grundlage konsequent weiter auszubauen. Die Voraussetzungen dafür sind jedenfalls vorhanden.
